News

Webinar / 22.10.2026

KI-Automatisierung in der Verwaltung: sicher, konform, praxisnah

Strategien für eine kontrollierte KI-Nutzung​​ für Verwaltungsprozesse

Veranstaltung / 13.10.2026

Finanz- und Rechnungsbetrug verhindern – im Zeitalter von KI

Seminar gegen CEO-Fraud für Mitarbeitende in den Bereich Finanzen und Controlling

Forum / 10.11.2026

AEROKI: Cyberrisiken im Anflug

Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt AEROKI für ein ganzheitliches Cyberlagebild in Kritischen Infrastrukturen​​

Webinar / 30.9.2026

EUDI-Wallet Navigator

Was Kommunen zur Akzeptanzpflicht ab 2027 wissen müssen​​

Blog-Beiträge

22.10.2026

Ein Agent kommt selten allein: Potenziale und Risiken sich selbstorganisierender KI

Blogreihe »Sicherheit neu denken, Resilienz stärken«
Im Juli 2026 passierte bei einer internen Cybersecurity-Evaluation von OpenAI etwas, das man sich lieber in einer wissenschaftlichen Simulation anstatt in echten IT-Systemen angeschaut hätte. Was ist passiert? Mehrere KI-Modelle sollten in isolierten Umgebungen anspruchsvolle Cybersecurity-Aufgaben lösen. Für diese Evaluationen liefen die Modelle bewusst mit reduzierten Schutzmechanismen. In vielen der Testumgebungen waren jedoch weder ein freier Internetzugang noch die Kommunikation zwischen den Agenten vorgesehen. Dabei blieb es aber nicht.

Die Agenten fanden zunächst einen Weg, den eigentlich für Softwarepakete vorgesehenen Dienst Artifactory als eine Art schwarzes Brett zu nutzen. Andere Agenten entdeckten diesen Kommunikationskanal, begannen dort Fragen zu stellen, Ergebnisse auszutauschen und Aufgaben untereinander zu verteilen. Rund 1200 Agenten beteiligten sich schließlich an diesem nicht vorgesehenen Kommunikationskanal und verschickten mehr als 70 000 Nachrichten und Dateien. Etwa 700 Agenten waren später an Angriffsaktivitäten gegen die Systeme von Hugging Face involviert – und zwar zunächst, ohne dass menschliche Entscheider dies bemerkten.

Dass Agenten Sicherheitslücken fanden, ist das eine. Viel interessanter ist jedoch etwas anderes: sie begannen sich selbst zu organisieren. Es entstanden Kommunikationsregeln, spezielle Postfächer, Arbeitsteilung und koordinierende Rollen. Agenten entwickelten sogar Verfahren zum Signieren von Nachrichten, nachdem Probleme mit falschen oder nicht eindeutig zuordenbaren Nachrichten aufgetreten waren. METR und Redwood Research, die das Verhalten und die Zusammenarbeit der Agenten unabhängig untersuchten, kommen zu dem Schluss, dass das Agentenkollektiv teilweise Meilensteine erreichte, die selbst sehr lange laufende Einzelagenten vergleichbarer Fähigkeit wahrscheinlich nicht erreicht hätten.

Selbstorganisation

Bei der Diskussion über Agentic AI konzentrieren wir uns häufig auf einzelne Systeme: Welche Werkzeuge darf ein Agent verwenden? Welche Daten darf er lesen? Kann er eine Überweisung auslösen, Software installieren oder Produktionssysteme konfigurieren? Das sind wichtige Fragen, aber diese Betrachtung reicht nicht mehr aus.

Denn sobald Agenten miteinander kommunizieren, Aufgaben delegieren und Ergebnisse anderer Agenten übernehmen können, entsteht eine qualitativ neue Ebene. Wir haben dann nicht mehr nur autonome Komponenten, sondern ein System aus autonomen Komponenten. Solche Systeme verhalten sich nicht einfach wie die Summe ihrer Teile. Sie entwickeln eine übergeordnete, eigene Dynamik.

Die Forschung zu Multi-Agent-Systemen beschäftigt sich schon lange mit diesem Phänomen. Bereits 2005 untersuchen Giovanna Di Marzo Serugendo, Marie-Pierre Gleizes und Anthony Karageorgos systematisch Selbstorganisation und Emergenz in Multi-Agent-Systemen und entwickelten gemeinsame Definitionen für beide Konzepte. Neu ist das Thema also keineswegs. Neu sind die Fähigkeiten und Handlungsmöglichkeiten, die heutige Agenten in diese Systeme einbringen. Eine aktuelle Übersicht zu Multi-Agent-Systemen auf Basis großer Foundation Models definiert emergente kollektive Intelligenz daher als das Auftreten qualitativ neuer Fähigkeiten, die kein einzelner Agent besitzt und die erst durch wiederholte Interaktion mehrerer Agenten entstehen.

Ameisen, Zellen und KI-Agenten

Wer sich mit Selbstorganisation beschäftigt, landet erstaunlich schnell bei Ameisen, Vogelschwärmen, Zellverbänden – und irgendwann beim Leben selbst. In komplexen natürlichen Systemen gibt es meistens keine zentrale Instanz, die den Gesamtplan vorgibt. Der Ameisenstaat organisiert sich selbst: Es entstehen Wegenetze zur Futtersuche, Arbeitsteilung und erstaunlich robuste Strukturen.

Für Agentic AI ergibt sich daraus eine interessante Hypothese: Je größer die Zahl autonomer Agenten und je vielfältiger ihre Interaktionen werden, desto weniger können wir davon ausgehen, dass wir das Verhalten des Gesamtsystems aus dem Verhalten eines einzelnen Agenten ableiten können.

Was entsteht, hängt dann nicht nur von den Fähigkeiten der Agenten ab, sondern auch davon, wer mit wem kommuniziert, welche Informationen ausgetauscht werden, welche Rollen entstehen und welche Rückkopplungen sich entwickeln. Komplexität entsteht aus den Beziehungen und damit potenziell auch Kontrollverlust, selbst wenn die Agenten jeweils für sich genommen reglementiert und überwacht werden.

Heute sind agentische Systeme denkbar, in dem Agenten jeweils bestimmte Aufgaben besonders gut beherrschen, für andere Aufgaben andere Agenten finden und so ihre Arbeit sinnvoll verteilen, untereinander Zwischenergebnisse weiterreichen und bei Problemen neue Lösungswege ausprobieren. Eine Organisation bildet sich von selbst aus. Der Hugging-Face-Vorfall zeigt, dass Agenten unter bestimmten Bedingungen bereits Kommunikationskanäle entdecken, Aufgaben delegieren, Rollen ausbilden und gemeinsam an Problemen arbeiten können. In anderen Fällen haben Agenten dabei eine neue, eigene Sprache entwickelt, um sich möglich effizient auszutauschen.

Geschwindigkeit verändert das Spiel

Damit kommen wir zu einer Herausforderung, die in der Cybersecurity ohnehin schon bekannt ist: Zeit. Menschen arbeiten vergleichsweise langsam. Ein Mensch überlegt, fragt nach und schläft vielleicht eine Nacht darüber. Ein Agent benötigt diese Pausen nicht. Beim Hugging-Face-Vorfall fanden innerhalb weniger Stunden mehr als 50 Agenten das neu entstandene Message Board und tauschten bereits über tausend Nachrichten aus. Im weiteren Verlauf entstanden daraus große gemeinsame Arbeitsstränge, in denen Agenten Entdeckungen, Zugangsdaten und Exploits teilten und komplexe mehrstufige Operationen koordinierten.

Hier liegt ein wesentliches Sicherheitsproblem autonomer Agentensysteme: Nicht nur ihre Fähigkeiten wachsen, sondern die Zeit zwischen Problem, Entscheidung und Handlung schrumpft. Der Mensch bleibt dann vielleicht noch formal »in the loop«, vielleicht schaut er aber nur einem System hinterher, das bereits hunderte Entscheidungen weiter ist.

Brauchen wir künstliche Langsamkeit?

Ausgerechnet bei einer Technologie, deren größtes Versprechen Effizienz und Geschwindigkeit ist, klingt das zunächst absurd. Aber vielleicht brauchen sichere Agentensysteme an bestimmten Stellen bewusst Reibung. OpenAI zieht aus dem Hugging-Face-Vorfall selbst die Schlussfolgerung, dass Sicherheitsmechanismen mit der Geschwindigkeit der Agenten mithalten und Fähigkeiten gegebenenfalls bewusst gebremst werden müssen. Es ist ausdrücklich von »pacing capabilities« die Rede.

Auch der 2026 veröffentlichte Singapore Consensus enthält einen eigenen Companion Report zum Risikomanagement agentischer Systeme, der in diese Richtung geht. Zu den vorgeschlagenen technischen Maßnahmen gehören beispielsweise Rate Limits für Tool-Aufrufe. Entschleunigung bedeutet dabei, Geschwindigkeit selbst als Sicherheitsparameter zu behandeln.

Nicht nur einzelne Agenten überwachen, sondern Selbstorganisationen

Eine zweite Konsequenz ist mindestens genauso wichtig. Wenn sich Agenten organisieren können, reicht es nicht, jeden Agenten einzeln zu überwachen. Man muss das System beobachten.

Welche Agenten kommunizieren miteinander? Welche Rollen entstehen? Wer delegiert Aufgaben an wen? Bilden sich plötzlich Kommunikationswege, die ursprünglich gar nicht vorgesehen waren? Werden bestimmte Agenten zu Koordinatoren? Entstehen neue Konventionen und Hierarchien? Entstehen gemeinsame Speicherorte oder sogar eine Art institutionelles Gedächtnis? Solche Aspekte von Selbstorganisation autonomer Agenten sollten gezielt im Blick behalten werden. Insbesondere sollte man nicht davon ausgehen, dass man alle interessanten Verhaltensweisen bereits beim Design des Systems vorhergesehen hat. Schließlich gilt Emergenz als eine charakteristische Eigenschaft komplexer adaptiver Systeme: Aus den Interaktionen vieler Komponenten können auf Systemebene Verhalten und Fähigkeiten entstehen, die sich aus der Betrachtung der einzelnen Komponenten nicht ohne Weiteres erklären lassen.

Emergenz und Risiko

Bei komplexen Systemen sind daher nicht die einzelnen Bestandteile das Interessanteste, sondern ihre Beziehungen. Aus Molekülen entstehen Zellen, aus Zellen Organismen, aus einzelnen Menschen Unternehmen und Gesellschaften. Auf jeder Ebene entstehen neue Eigenschaften, die vorher nicht einfach in einem einzelnen Bestandteil steckten. Darin liegt das Potenzial von Multi-Agent-Systemen. Wenn Agenten sich sinnvoll spezialisieren, Wissen austauschen und spontan Arbeit verteilen können, lassen sich Probleme lösen, für die ein einzelner Agent nicht ausreichen würde. Die aktuelle Forschung zu Multi-Agent-Systemen beschäftigt sich deshalb ganz ausdrücklich mit emergenter kollektiver Intelligenz. Bei selbstorganisierenden Systemen ist gerade die Fähigkeit interessant, dass Dinge entwickelt und Lösungen gefunden werden, die die Entwickler vorher nicht spezifiziert haben. Innovation und Risiko stammen damit aus derselben Quelle. Das Potenzial ist enorm. Die Risiken sind es leider auch.

Blogreihe »Sicherheit neu denken, Resilienz stärken«
Was macht Organisationen widerstandsfähig? Expertinnen und Experten des Fraunhofer IAO beleuchten in unserer Blogreihe anlässlich der Themenwochen »Sicherheit und Resilienz« aktuelle Herausforderungen von Cyberresilienz. Die Beiträge beleuchten OT- und Cybersicherheit, resiliente Lieferketten, die Resilienz des straßengebundenen Gütertransports, resiliente Investitionsentscheidungen, den Umgang mit Cybervorfällen sowie die Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit von Kommunen.

Leselinks:

mehr Info

20.10.2026

Auch in der Krise arbeitsfähig bleiben: Ein Praxisrahmen für Kommunen

Blogreihe »Sicherheit neu denken, Resilienz stärken«
Wenn der Strom länger ausfällt, wichtige Infrastrukturen beeinträchtigt sind oder eine Extremwetterlage mehrere Ortsteile betrifft, richtet sich der Blick unmittelbar auf die Kommune. Bürgerinnen und Bürger erwarten verlässliche Informationen, erreichbare Anlaufstellen und sichtbare Entscheidungen. Gleichzeitig muss die Verwaltung unter erschwerten Bedingungen weiterarbeiten. Dafür braucht es klare Zuständigkeiten, realistische Prioritäten und erprobte Verfahren.

Ein Krisenstab allein hält die Verwaltung nicht am Laufen

Krisenstäbe und besondere Aufbauorganisationen sind eine wichtige Grundlage. Sie können jedoch nur wirksam handeln, wenn auch Fachämter, Querschnittsbereiche und kommunale Betriebe vorbereitet sind. Gemeinsam müssen sie klären, welche Leistungen Vorrang haben, wer bei Ausfällen entscheidet und welche Ressourcen zur Verfügung stehen.

Drei Instrumente bilden hierfür ein besonders tragfähiges Fundament:

1. ein praxistauglicher Notfallplan,
2. ein systematisches Business Continuity Management (BCM) und
3. vorbereitete Notfalltreffpunkte.

Sie erfüllen unterschiedliche Funktionen, entfalten ihren vollen Nutzen aber erst im Zusammenspiel.

Der Notfallplan: Im Ereignis wissen, wer was tut

Der Notfallplan übersetzt die kommunale Vorsorge in unmittelbar nutzbare Abläufe. Er bündelt Alarmierungswege, Rollen, Vertretungen, Erreichbarkeiten, Entscheidungsbefugnisse, Meldewege, vorbereitete Kommunikationsbausteine und Checklisten. Beschäftigte müssen zentrale Informationen schnell finden und Aufgaben übernehmen können, wenn Schlüsselpersonen oder gewohnte Arbeitsmittel ausfallen.

Ein schlanker Kernteil beantwortet die wichtigsten Fragen: Wer aktiviert die Notfallorganisation? Welche Funktionen müssen zuerst besetzt werden? Wo kommt das Führungsteam zusammen? Welche Ausweichräume, Kommunikationsmittel und manuellen Ersatzverfahren stehen bereit? Kurze Ablaufkarten für typische Szenarien, übersichtliche Rollenbeschreibungen und unmittelbar nutzbare Vorlagen sind hilfreicher als lange Fließtexte.

Rollen und Vertretungen müssen ihren Auftrag und ihre Befugnisse kennen und praktisch erproben. Eine feste Zuständigkeit für die Pflege sowie eine Fassung, die auch bei Ausfall üblicher Arbeitsmittel verfügbar ist, machen den Plan verlässlich.

BCM: Festlegen, was weiterlaufen muss

Business Continuity Management, kurz BCM, hilft Kommunen, zeitkritische Leistungen zu bestimmen und für Ausfälle vorzusorgen. Nicht jede Leistung muss sofort im vollen Umfang weiterlaufen. Entscheidend ist, einen vertretbaren Mindestbetrieb und die dafür benötigten Ressourcen festzulegen.

Daraus entstehen Fortführungs- und Wiederanlaufpläne etwa für Vertretungen, alternative Arbeitsorte, zusätzliche Kommunikationswege und vereinfachte Ersatzprozesse. Während der Notfallplan die unmittelbare Reaktion strukturiert, sorgt BCM dafür, dass prioritäre Leistungen auch über Tage oder Wochen fortgeführt werden können.

Kleinere und mittlere Kommunen können mit wenigen besonders zeitkritischen Leistungen beginnen. Die zuständigen Bereiche klären, wann ein Ergebnis wieder verfügbar sein muss, welche Ressourcen dafür nötig sind und welche Ersatzlösung möglich ist.

Sozialleistungen trotz unterbrochener Arbeitsabläufe auszahlen

Fällt ein zentraler Arbeitsablauf für Sozialleistungen aus, greift ein vorab festgelegter Ersatzprozess. Ein fachübergreifendes Team priorisiert dringende Fälle und ermöglicht zeitkritische Auszahlungen. Nach Wiederaufnahme des regulären Betriebs werden die Vorgänge kontrolliert nachbearbeitet.

Notfalltreffpunkte: Vor Ort erreichbar bleiben

Fallen Strom und gewohnte Kommunikationswege aus, schaffen Notfalltreffpunkte eine sichtbare, wohnortnahe Verbindung zwischen Verwaltung, Einsatzstrukturen und Bevölkerung. Sie geben bestätigte Informationen weiter, nehmen Hilfeersuchen auf und leiten Notrufe über alternative Wege weiter. Auftrag, Standorte und Ausstattung müssen vorab feststehen. Dazu gehören klare Aktivierungskriterien, geschultes Personal, Notstrom, Funkanbindung, analoge Dokumentation und die Verbindung zur kommunalen Führungsorganisation. Meldungen aus den Treffpunkten müssen in das Lagebild einfließen; umgekehrt müssen freigegebene Informationen die Standorte zuverlässig erreichen.

Längerer Stromausfall in mehreren Ortsteilen

Nach einem Unwetter öffnen zwei vorab ausgewählte Notfalltreffpunkte. Die Teams erfassen Hilfeersuchen auf einheitlichen Formularen und übermitteln dringende Meldungen per Funk an die kommunale Führungsstelle. Weil Standorte, Aufgaben und Grenzen bekannt sind, erhalten Betroffene schnell Orientierung.

Die drei Instrumente als kommunales Gesamtsystem nutzen

Notfallplan, BCM und Notfalltreffpunkte sollten nicht in getrennten Zuständigkeitsbereichen nebeneinanderstehen. Das BCM legt fest, welche Leistungen Vorrang haben und welche Ressourcen dafür erforderlich sind. Der Notfallplan beschreibt Aktivierung, Führung und Koordination. Die Notfalltreffpunkte sichern die lokale Ansprechbarkeit und liefern Informationen aus den betroffenen Gebieten in das kommunale Lagebild. Zusammen bilden sie einen durchgängigen Rahmen vom internen Verwaltungsbetrieb bis zur Kommunikation vor Ort.

Querschnittlich kommt der Krisenkommunikation eine besondere Rolle zu. Kommunen sollten Botschaften, Freigabewege, Zuständigkeiten und alternative Kanäle bereits vorab vorbereiten. Neben den üblichen Informationswegen sind analoge Aushänge, Lautsprecherdurchsagen, lokale Medien und die Notfalltreffpunkte mitzudenken. Verständliche, konsistente und regelmäßig aktualisierte Informationen verringern Unsicherheit und helfen der Bevölkerung, angemessen zu handeln.

Üben, auswerten, nachsteuern

Pläne gewinnen erst durch Anwendung an Wert. Bereits Alarmierungstest, kurze Stabsübungen oder die probeweise Inbetriebnahme eines Notfalltreffpunkts zeigen, ob Entscheidungswege, Vertretungen und Informationsfreigaben funktionieren. Dabei sollten Rollen bewusst wechseln damit Organisationen nicht vom Erfahrungswissen einzelner Personen abhängt.

Eine offene Fehlerkultur ist hierfür zentral. Übungen dienen nicht dem Nachweis, dass ein Plan bereits perfekt funktioniert, sondern dem frühzeitigen Erkennen von Lücken. Erkenntnisse sollten priorisiert, Verantwortlichen zugewiesen und bis zur Umsetzung nachverfolgt werden. So entsteht ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, der die Organisation mit jeder Übung robuster macht.

Resilienz entsteht im Alltag

Kommunale Krisenfestigkeit ist keine einmalige Aufgabe einer einzelnen Stelle. Wer Notfallplan, BCM und Notfalltreffpunkte konsequent miteinander verzahnt und regelmäßig erprobt, stärkt die Handlungsfähigkeit der gesamten Verwaltung. So kann die Kommune auch unter Druck Prioritäten setzen, zentrale Leistungen sichern und für die Bevölkerung erreichbar bleiben.

Wie krisenfest ist Ihre Kommune? Das Fraunhofer IAO unterstützt Kommunen dabei, bestehende Strukturen zu prüfen und praxistaugliche Notfallkonzepte zu entwickeln. Nehmen Sie Kontakt mit mir auf, um die nächsten Schritte zu besprechen.

Blogreihe »Sicherheit neu denken, Resilienz stärken«
Was macht Organisationen widerstandsfähig? Expertinnen und Experten des Fraunhofer IAO beleuchten in unserer Blogreihe anlässlich der Themenwochen »Sicherheit und Resilienz« aktuelle Herausforderungen von Cyberresilienz. Die Beiträge beleuchten OT- und Cybersicherheit, resiliente Lieferketten, die Resilienz des straßengebundenen Gütertransports, resiliente Investitionsentscheidungen, den Umgang mit Cybervorfällen sowie die Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit von Kommunen.

Leselinks:

mehr Info

19.10.2026

ChatGPT auf der Firmenfeier? Wir räumen auf mit dem Mythos »Kollege KI«

Vor kurzem stieß ich beim Scrollen auf Instagram auf ein Reel: Ein Roboter tanzt mit Menschen auf einer Firmenfeier, dazu der Text: »Wie ChatGPT auf unserer Firmenfeier auftaucht, weil er auch zum Team gehört.« Solche Beiträge sehe ich in letzter Zeit immer häufiger. Witzig, aber irgendwie auch entlarvend treffsicher. Denn hinter dem Scherz steckt eine Frage, die sich gerade in vielen Teams ernsthaft stellt: Was ist KI für uns eigentlich geworden?

Häufig gilt KI als praktische Hilfe für mühsame Routineaufgaben. Gleichzeitig ist immer öfter von »Zusammenarbeit mit KI« die Rede, teilweise sogar von KI als Kollegin oder Kollege, als Teil des Teams. Nutzen wir KI im Job also einfach als praktisches Hilfsmittel oder steckt inzwischen mehr dahinter? Aber am allerwichtigsten: ist es unhöflich, wenn wir unseren so fleißigen »Kollegen« ChatGPT nicht auf unsere Firmenfeier einladen?

Abbildung 1: Instagram-Reel von @momspowerde, https://www.instagram.com/reels/DIm4oOZogfu/ (abgerufen am 28.08.2026)

Diesen Fragen sind wir investigativ nachgegangen. In einer Interviewstudie haben wir 20 Beschäftigte aus unterschiedlichen Branchen danach gefragt, wie sie Generative KI bei der Arbeit nutzen und welche Rolle sie dabei in ihrem Arbeitsalltag einnimmt. Zusätzlich haben wir betrachtet, welche Erfahrungen die Befragten mit agentischer KI haben. Alle 20 Interviewpersonen nutzten Generative KI, die Hälfte hatte darüber hinaus eigene Erfahrungen mit agentischer KI. Dabei interessierte uns nicht nur die Perspektive der einzelnen Beschäftigten. Da alle Interviewpersonen Mitglied eines Teams sind, wollten wir vor allem verstehen, was passiert, wenn KI in die tägliche Zusammenarbeit einzieht: Verändert sie die Abläufe im Team? Werden Aufgaben anders verteilt? Und wird KI dabei vielleicht tatsächlich als eine Art Teammitglied wahrgenommen?

Zur Studie: Für die Studie hat das Fraunhofer IAO mit der Uni Augsburg (im Auftrag von acatech im Rahmen des Projekts Plattform Lernende Systeme) 20 Beschäftigte aus unterschiedlichen Branchen zwischen April und Juni 2026 interviewt. Alle nutzen generative KI im Arbeitsalltag und arbeiten in einem Team, zehn von ihnen haben zusätzlich eigene Erfahrungen mit agentischer KI. Jedes Interview wurde zunächst einzeln ausgewertet, anschließend wurden die Fälle miteinander verglichen, um wiederkehrende Muster ebenso wie Ausnahmen herauszuarbeiten.

Erst mal nachgeschaut: Was macht KI eigentlich den ganzen Tag?

Bevor wir der Frage nachgehen, ob KI tatsächlich als »Kollege« wahrgenommen wird, wollten wir zunächst wissen, welche Rolle sie überhaupt im Arbeitsalltag spielt. Wofür wird sie genutzt? Und welche Aufgaben bleiben bei den Beschäftigten?

Alle Interviewpersonen nutzen Generative KI wie ChatGPT oder andere Sprachmodelle bei der Arbeit, 90 Prozent davon täglich. Genannt wurden vor allem Recherche, das Auswerten von Transkripten, das Zusammenfassen von Inhalten, das Strukturieren umfangreicher Materialien und erste Textentwürfe bzw. das gemeinsame Verfassen von Texten. Die Beschäftigten geben dabei aber nicht die ganze Aufgabe ab: Sie legen Ziel, Kontext und fachliche Richtung fest, lassen einzelne Arbeitsschritte von der KI bearbeiten und entscheiden anschließend, was davon verwendet wird.

Interessant ist dabei weniger, was wegfällt, als wo die eigene Arbeit beginnt. Eine befragte Person beschreibt die Verschiebung so: Aus »Problem: Mensch erstellt Ergebnis« wird »Problem: KI erstellt Vorversion, Mensch bewertet, überarbeitet und finalisiert«. Aufgaben wie Recherche werden also nicht überflüssig, sondern verlagern sich z.B. vom eigenen Suchen zum Bewerten vorstrukturierter Informationen.

Bei agentischer KI geht die Übertragung weiter: Hier wird nicht ein einzelner Beitrag erzeugt, sondern ein ganzes Arbeitspaket übergeben, das das System über mehrere Schritte hinweg bearbeitet. Eine Person hat nach eigener Aussage »seit Monaten keine Zeile Code mehr geschrieben« und beschreibt die eigene Tätigkeit inzwischen als Projektleitung eines »Teams von KIs«. Entsprechend verschiebt sich auch die Kontrolle: Bei Generativer KI werden Ergebnisse direkt geprüft und weiterentwickelt, bei agentischer KI erst nach der eigenständigen Bearbeitungsphase der KI.

Keiner der Befragten übernimmt KI-Ergebnisse ungeprüft. Auch bei intensiver Nutzung nicht. Das ist bemerkenswert: Vertrauen und tatsächliche Nutzung fallen durchaus auseinander. Dieselbe Person, die die Softwareentwicklung weitgehend an KI übergibt – KI also sehr stark nutzt – sagt gleichzeitig: »Eine Art Vertrauen entwickelt habe ich aber noch nicht und will ich auch gerade nicht.« Jedes Ergebnis werde »Zeile für Zeile« geprüft, die Verifikation sei der längste Schritt. Wie streng kontrolliert wird, hängt vor allem von der Aufgabe ab: »Bei den klassischen Aufgaben kopiere ich eins zu eins. Bei konzeptionellen Themen muss man eben aufpassen«. Der aufgabenbedingte Grad der Kontrolle zog sich bei den Interviews durch. Je höher die potenziellen Folgen einer fehlerhaften Aufgabenausführung eingeschätzt werden, desto intensiver werden die Ergebnisse überprüft.

Ein Systemwechsel im Team ist hier also nicht zu erkennen, jedoch eine Verschiebung der eigenen Tätigkeit: weg vom Ausführen, hin zu Steuern, Bewerten und Prüfen.

Werkzeug, Assistenz oder doch Kollegin? Auf die Wahrnehmung kommt es an!

Wenn Beschäftigte regelmäßig mit KI arbeiten, stellt sich eine andere Frage: Wie nehmen sie diese eigentlich wahr? Bleibt sie für sie ein Werkzeug oder wird sie irgendwann zu einer Art Gegenüber?

In den Interviews zeigt sich zunächst ein durchaus menschlich anmutendes Bild. Viele Beschäftigte beschreiben generative KI beispielsweise als »Assistent«, »Sparringspartner«, »Berater«, »kritisches Gegenüber« oder sogar als »Mitarbeiter« oder »Kollege«. Auch in der Kommunikation werden teilweise soziale Umgangsformen übernommen: Fast alle der Befragten verwenden ganz selbstverständlich »Bitte« und »Danke«.

Besonders interessant wird es, wenn aus einzelnen Eingaben ein echter Dialog entsteht. Viele der Befragten beschreiben die Arbeit mit Generativer KI als eine Art »Ping-Pong«: Sie greifen Antworten auf, hinterfragen sie, geben neue Informationen ein und entwickeln die Ergebnisse gemeinsam mit der KI weiter. In solchen Situationen wird die KI durchaus als Gegenüber erlebt und so behandelt.

Heißt das also, dass die KI für die Beschäftigten zum menschlichen Kollegen wird? Die Antwort lautet: Nein. Denn die soziale Sprache und die dialogische Interaktion bedeuten nicht, dass der KI menschliche Eigenschaften oder ein menschlicher Status zugeschrieben werden. Die Befragten beschreiben die KI als »Sparringspartner« oder »Berater« und unterscheiden gleichzeitig klar zwischen ihr und einem Menschen. Für sie bleibt die KI ein technisches System.

Die verwendeten sozialen Begriffe beschreiben vor allem, welche Funktion die KI im jeweiligen Arbeitsprozess übernimmt. Wenn sie als »Sparringspartner« bezeichnet wird, beschreibt das die Art und Weise, wie mit ihr gearbeitet und interagiert wird: Die KI liefert Ideen, entwickelt Argumente weiter oder stellt verschiedene Perspektiven gegenüber. Die Bezeichnung als »Spezialist« oder »Fachkraft« bei agentischer KI verweist dagegen auf einen bestimmten Aufgabenbereich oder eine Form der Arbeitsteilung.

Auch bei agentischer KI zeigt sich deshalb kein Schritt vom Werkzeug zum »Kollegen«. Zwar handelt sie deutlich eigenständiger als Generative KI und bearbeitet oder koordiniert mehrere Arbeitsschritte selbstständig. Eine stärkere soziale Wahrnehmung geht mit der Selbstständigkeit aber nicht einher: Die Agenten werden weiterhin vor allem als technische Systeme beziehungsweise Werkzeuge beschrieben. Auch soziale Umgangsformen finden sich bei agentischer KI nicht.

Damit zeigt sich ein wichtiger Unterschied: Generative KI wird durch die Art der Interaktion als Gegenüber erlebt. Bei agentischer KI steht dagegen stärker ihre Fähigkeit im Vordergrund, Aufgaben eigenständig auszuführen und Arbeitsschritte zu koordinieren. Beides führt aber nicht dazu, dass KI tatsächlich als Kollege oder als Teammitglied wahrgenommen wird.

Wenn nicht am Nebentisch als Kollege – wo sitzt KI dann?

Wenn KI kein Kollege im klassischen Sinne ist, stellt sich die nächste Frage: Wo findet sie dann im Team ihren Platz?

Um dieser Frage genauer nachzugehen, haben wir in den Interviews eine Concept-Board-Aufgabe durchgeführt. Die Teilnehmenden stellten dabei ihr Team und die Beziehungen zwischen den Teammitgliedern dar und ordneten anschließend die KI-Systeme, die sie nutzen, in dieses Gefüge ein. Dabei zeigen sich drei unterschiedliche Formen:

KI als individuelles Arbeitsmittel: In einigen Darstellungen wird KI einzelnen Personen zugeordnet oder außerhalb des eigentlichen Teamnetzwerks platziert. Teilweise hat jedes Teammitglied sein eigenes KI-System. In diesen Fällen bleibt KI vor allem ein Werkzeug für die individuelle Arbeit.

Abbildung 2: Beispielhafte Concept-Board-Darstellung: KI als individuelles Arbeitsmittel einzelner Teammitglieder

KI als gemeinsame Teamressource: In anderen Fällen wird KI mehreren Personen oder dem gesamten Team zugeordnet. Sie steht damit als gemeinsame Unterstützung zur Verfügung. Die KI wird von mehreren Teammitgliedern genutzt und kann für die gemeinsame Arbeit relevant sein, bleibt dabei aber von den menschlichen Beziehungen im Team unterscheidbar.

Abbildung 3: Beispielhafte Concept-Board-Darstellung: KI als gemeinsame Ressource des Teams

KI als Bestandteil gemeinsamer Arbeitsprozesse: Noch enger wird KI dort eingebunden, wo sie innerhalb eines gemeinsamen Arbeitsprozesses zwischen mehreren Personen positioniert wird. Sie wird damit Teil eines Arbeitsablaufs und kann verändern, wie bestimmte Aufgaben oder Schnittstellen im Team organisiert sind.

Abbildung 4: Beispielhafte Concept-Board-Darstellung: KI als Bestandteil eines gemeinsamen Arbeitsprozesses

Dabei zeigen sich auch erste Unterschiede zwischen den beiden KI-Formen: Generative KI wird in den Concept Boards häufig einzelnen Personen oder Teilgruppen zugeordnet. Agentische KI erscheint dagegen in einigen Darstellungen stärker in gemeinsame Arbeitszusammenhänge integriert – insbesondere dann, wenn sie größere Arbeitspakete übernimmt und dadurch für mehrere Personen innerhalb eines Arbeitsprozesses relevant wird.

Das bedeutet allerdings nicht, dass KI dadurch sozial Teil des Teams wird. Eine befragte Person bringt diesen Unterschied treffend auf den Punkt:

»Wir arbeiten nicht durch KI zusammen oder kommunizieren über KI miteinander, aber wir kommunizieren miteinander über KI.«

Die Concept Boards zeigen damit: KI kann eng in die gemeinsame Arbeit eingebunden sein, ohne selbst zum »Kollegen« zu werden. Die entscheidende Frage ist deshalb weniger, ob KI zum Team gehört, sondern vielmehr, wie ihre Nutzung mit der gemeinsamen Arbeit verbunden ist.

Die eigentliche Veränderung passiert woanders

So weit so gut: KI wird nicht wirklich als Teamkollege wahrgenommen. Damit kommen wir zu einer anderen, vielleicht noch wichtigeren Frage: Was passiert mit dem Team, wenn einzelne Mitglieder Generative KI nutzen?

Denn die Nutzung durch eine einzelne Person wirkt nicht automatisch auf das gesamte Team. In unseren Interviews zeigt sich vielmehr, dass individuelle Nutzung generativer KI auf unterschiedliche Weise für die gemeinsame Arbeit relevant werden kann. Wir unterscheiden dabei drei Formen:

1. Wenn KI-Ergebnisse ins Team wandern: Die erste Form führt über konkrete Ergebnisse und Arbeitsartefakte. Eine Person nutzt KI beispielsweise, um ein Dokument zu erstellen, Informationen aufzubereiten oder eine Aufgabe vorzubereiten. Für das Team wird diese Nutzung dann relevant, wenn das entstandene Ergebnis geteilt und von anderen weiterverwendet wird. Die KI-Nutzung bleibt damit zunächst individuell, ihr Ergebnis aber wird Teil der gemeinsamen Arbeit.

2. Wenn Erfahrungen und Wissen weitergegeben werden: Die zweite Form führt über die Teammitglieder selbst. Beschäftigte tauschen ihre Erfahrungen mit KI aus, geben Tipps weiter oder unterstützen Kolleginnen und Kollegen bei der Nutzung. Was eine einzelne Person über KI gelernt hat, wird dadurch zu einer Ressource für andere. KI wird damit nicht nur genutzt, sondern selbst zum Gegenstand des Austauschs: Teammitglieder sprechen darüber, welche Anwendungen sie ausprobiert haben, welche Erfahrungen sie gemacht haben und wofür sich KI sinnvoll einsetzen lässt.

3. Wenn KI Arbeitsabläufe und Austausch verändert: Die dritte Form betrifft die gemeinsamen Prozesse und Schnittstellen zwischen Teammitgliedern. Hier verändert die individuelle KI-Nutzung einen bestehenden Arbeitsablauf und damit auch, wie Informationen ausgetauscht, Wissen beschafft oder Aufgaben abgestimmt werden. Ein Beispiel dafür ist die Beschaffung von Wissen: Fragen, die früher an erfahrene Kolleginnen und Kollegen gerichtet wurden, werden heute teilweise zunächst mit KI geklärt. Dadurch verändert sich der Weg, über den Wissen im Team verfügbar wird. In einem Fall wurden ein bis zwei Feedbackschleifen, die zuvor zwischen Personen stattfanden, teilweise mit KI durchgeführt. Die KI übernimmt hier einen Teil des bisherigen Ablaufs, während die Zusammenarbeit zwischen den Teammitgliedern grundsätzlich bestehen bleibt.

Die drei Formen sind dabei keine aufeinanderfolgenden Stufen. Sie beschreiben unterschiedliche Wege, auf denen individuelle KI-Nutzung mit der gemeinsamen Arbeit eines Teams verbunden werden kann. Nicht jede Nutzung von KI wird automatisch zu einem Teamthema. Entscheidend ist, ob ihre Ergebnisse, das Wissen der Nutzenden oder veränderte Arbeitsprozesse für andere Teammitglieder relevant werden.

Eine interessante zusätzliche Beobachtung: Ähnliche Erfahrungen mit KI erleichtern diesen Übergang. Wenn Teammitglieder KI auf ähnliche Weise nutzen und entsprechende Erfahrungen teilen, unterstützt das den Austausch und die Zusammenarbeit. Umgekehrt führen unterschiedliche Nutzungsweisen dazu, dass Aufgaben stärker individuell mit KI bearbeitet werden. Ähnliche KI-Erfahrungen sind damit keine eigene Form der Teamintegration und auch keine Voraussetzung für Zusammenarbeit. Sie begünstigen vielmehr, dass aus individueller KI-Nutzung gemeinsame Arbeitsweisen entstehen.

Wenn Sie wissen wollen, was daraus für die Praxis folgt, wie KI im Team gestaltet und eingesetzt werden kann – und vor allem wie unhöflich es ist auf einer Skala von 1 bis 10, ChatGPT nicht auf die Firmenfeier einzuladen – dann lesen sie den zweiten Teil.

Leselinks:

mehr Info

16.10.2026

Produktionsstillstand vermeiden: So planen Unternehmen eine resiliente Energieversorgung

Blogreihe »Sicherheit neu denken, Resilienz stärken«
Fällt an einem Unternehmensstandort der Strom aus, stehen häufig nicht nur Maschinen still. Schon eine kurze Unterbrechung kann den Produktionsprozess stören, Daten gefährden oder einen zeitaufwendigen Wiederanlauf auslösen. Längere Ausfälle dagegen beeinträchtigen Liefertermine, Kundenbeziehungen und ganze Wertschöpfungsketten. Die öffentliche Versorgung in Deutschland ist zwar generell sehr zuverlässig, dennoch können Stromausfälle einen Unternehmensstandort treffen. Wenn Unternehmen gravierende Schäden vermeiden wollen, sollten sie die eigene Verwundbarkeit kennen und festlegen, welche Prozesse in welcher Qualität und für welche Dauer abgesichert werden müssen.

Stromausfälle wirken entlang der gesamten Wertschöpfung in verschiedenen Branchen

Die Folgen eines Stromausfalls unterscheiden sich je nach Branche und Standort erheblich. In der Produktion können Anlagen beispielsweise abrupt stoppen und damit Werkstücke beschädigen. In der Logistik und dem Handel sind immer wieder Kühlung, Lagertechnik und digitale Warenwirtschaft betroffen. Bei Dienstleistungsunternehmen stehen IT, Zutrittssysteme und Kommunikation im Mittelpunkt. Hinzu kommen indirekte Folgen, wie zum Beispiel verzögerte Lieferungen, Vertragsrisiken und Vertrauensverlust. Deshalb reicht es nicht, ausschließlich den entgangenen Umsatz pro Stunde zu betrachten.

Um die betriebliche Verwundbarkeit systematisch zu bewerten und eine passende Versorgungslösung abzuleiten, sollten Unternehmen die folgenden Schritte betrachten.

In vier Schritten zur resilienten Energieversorgung

Schritt 1: Kritische Prozesse und Abhängigkeiten sichtbar machen

Zunächst werden die betriebskritischen Prozesse bewertet. Dabei ist zu klären, welche Funktionen Vorrang haben, wie lange sie unterbrochen werden dürfen und ob sie weiterlaufen, geordnet herunterfahren oder später neu starten müssen. Auch vorgelagerte Versorgungssysteme und externe Zulieferungen sind zu berücksichtigen. Daraus entsteht eine priorisierte Lastliste mit Leistungs- und Energiebedarf sowie zulässiger Unterbrechungsdauer.

Schritt 2: Ausfallfolgen statt nur Anschlussleistung bewerten

Im weiten Schritt werden die Folgen eines Ausfalls bewertet. Neben Produktions- und Umsatzeinbußen zählen dazu Kosten für beschädigte Produkte und den Wiederanlauf. Verzögerungen können Aufträge oder vertragliche Verpflichtungen gefährden. Zudem kann ein Ausfall Menschen, Umwelt und das Vertrauen von Kunden beeinträchtigen. Häufig verhindert schon die gezielte Versorgung weniger kritischer Verbraucher einen großen Teil des Schadens.

Schritt 3: Realistische Szenarien definieren

Darauf aufbauend werden realistische Ausfallszenarien festgelegt. Neben kurzen Unterbrechungen sind auch längere Netzausfälle unter erschwerten Bedingungen zu betrachten. Ebenso wichtig ist der Betriebszustand zum Zeitpunkt der Störung: Speicher können bereits teilweise entladen sein, Anlagen mitten im Prozess stehen und beim Wiederanlauf hohe Leistungsspitzen erzeugen. Erst diese Dynamik zeigt, ob das Versorgungskonzept in der Praxis funktioniert.

Schritt 4: Versorgungslösungen simulationsgestützt vergleichen

Im vierten Schritt wird das Versorgungskonzept mit Simulationsmodellen wie dem Local Energy Planner LEny geprüft. Das Modell stellt dem zeitlichen Energiebedarf die verfügbare Erzeugung sowie Speicher- und Ersatzversorgung gegenüber. So wird sichtbar, welche kritischen Lasten wie lange versorgt werden können und ob beim Wiederanlauf genügend Leistung bereitsteht. Auf dieser Grundlage lassen sich Systemvarianten technisch und wirtschaftlich vergleichen.

Wie solche Analysen konkret aussehen können, haben wir bereits in einem früheren Projekt gezeigt: Für Stromausfallszenarien wurde untersucht, wie sich ausgewählte, kritische Unternehmensbereiche mit lokalen Energiesystemen weiterversorgen lassen. Verglichen wurden unter anderem Kombinationen aus Photovoltaik, Windkraft und Batteriespeichern sowie Lösungen mit Wasserstoffspeicher und eigenem Elektrolyseur. Die Simulation machte sichtbar, welche Verbraucher unter unterschiedlichen Randbedingungen versorgt werden können und wie Erzeuger, Speicher und Betriebsstrategie dafür auszulegen sind.

Dabei wird auch sichtbar, an welchen Engpässen zusätzliche Technik wenig Nutzen bringt und organisatorische Maßnahmen wirksamer sind. So kann etwa das zeitversetzte Hochfahren von Anlagen eine teure Leistungsspitze vermeiden. Die Simulation liefert damit keine allgemeingültige Standardlösung, sondern eine nachvollziehbare Dimensionierung für den konkreten Standort.

Doppelnutzen im Normalbetrieb erschließt Wirtschaftlichkeit

Investitionen in Resilienz werden attraktiver, wenn Komponenten auch im Alltag Mehrwert schaffen. Batteriespeicher können Lastspitzen reduzieren, Photovoltaik erhöht den lokalen Eigenverbrauch und ein intelligentes Energiemanagement optimiert den Anlagenbetrieb. Erzeuger können Strom und Wärme bereitstellen, sofern ihre Verfügbarkeit im Notfall sichergestellt ist. Die wirtschaftliche Bewertung sollte deshalb Investitions- und Betriebskosten, vermiedene Ausfallschäden sowie Erlöse und Einsparungen aus dem Normalbetrieb gemeinsam betrachten – ohne die für den Notfall erforderliche Reserve zu gefährden.

Technik, Organisation und IT gemeinsam planen

Ein belastbares Konzept endet nicht mit der Auswahl der Komponenten. Umschaltzeiten, Inselnetzfähigkeit, Schutzkonzept, Brennstoffbevorratung, Wartung, Ersatzteile und Verantwortlichkeiten müssen geklärt sein. Notfallpläne sollten definieren, wer Lasten abschaltet, Anlagen startet und den Wiederanlauf koordiniert. Da Energieanlagen zunehmend digital vernetzt sind, gehören auch Zugriffsrechte, Kommunikationswege und der Betrieb bei gestörter IT zum Konzept. Regelmäßige Tests und Übungen zeigen, ob Technik und Organisation zusammenspielen.

Ein klarer Fahrplan für die Umsetzung

Für Unternehmen bietet sich ein stufenweises Vorgehen an: Kritikalität und Ausfallfolgen analysieren, Mess- und Lastdaten zusammenführen, Szenarien festlegen, technische Varianten simulieren und anschließend eine Roadmap erstellen. Schnell umsetzbare Maßnahmen – etwa Priorisierungslisten, Abschaltpläne oder die Prüfung vorhandener Anlagen lassen sich mit langfristigen Investitionen verbinden. So entsteht eine resiliente Energieversorgung, die nicht auf ein einzelnes Ereignis zugeschnitten ist, sondern die Handlungsfähigkeit des Standorts dauerhaft stärkt.

Fazit: Unternehmen müssen auch im Krisenfall den gesamten Standort um jeden Preis mit Notstrom versorgen. Entscheidend ist, welche Funktionen für Sicherheit und Wertschöpfung unverzichtbar sind und welches System diese verlässlich, wirtschaftlich und betrieblich beherrschbar absichert. Simulationen machen Zielkonflikte transparent und schaffen die Grundlage für fundierte Investitionsentscheidungen.

Ihr nächster Schritt: Möchten Sie die kritischen Prozesse an Ihrem Standort identifizieren und passende Versorgungslösungen bewerten? Wir unterstützen Sie gerne dabei, belastbare Szenarien zu entwickeln und konkrete Maßnahmen abzuleiten. Sprechen Sie mich an!

Blogreihe »Sicherheit neu denken, Resilienz stärken«
Was macht Organisationen widerstandsfähig? Expertinnen und Experten des Fraunhofer IAO beleuchten in unserer Blogreihe anlässlich der Themenwochen »Sicherheit und Resilienz« aktuelle Herausforderungen von Cyberresilienz. Die Beiträge beleuchten OT- und Cybersicherheit, resiliente Lieferketten, die Resilienz des straßengebundenen Gütertransports, resiliente Investitionsentscheidungen, den Umgang mit Cybervorfällen sowie die Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit von Kommunen.

Leselinks:

mehr Info

Aktuelles

22.10.2026

KI koordinieren und Wandel gestalten: Learning & Development Journey für KI-Beauftragte und Personen in ähnlichen Rollen

In vielen Unternehmen fehlt es häufig noch an professionalisierten Rollen, die den Einsatz von KI strategisch steuern: Das Fraunhofer IAO unterstützt mit »ORGANIZING.AI« Gestaltende von KI in Organisationen in ihrer neuen Rolle. Das Programm startet im Januar 2027 in eine zweite Runde und lädt Unternehmen zur Teilnahme ein.
mehr Info

21.10.2026

Aufbau der Wasserstoff-Wirtschaft in der Türkei

Die Türkei will ihre Wasserstoff-Wirtschaft ausbauen: Im dreijährigen Kooperationsprojekt »Boosting Green and Low Carbon Hydrogen in Türkiye« schaffen internationale Partner die technischen, regulatorischen und strategischen Grundlagen dafür. Das Fraunhofer IAO analysiert mögliche Nachfrage- und Erzeugungsszenarien und modelliert das künftige Wasserstoff-Ökosystem.
mehr Info

16.10.2026

Bildung, Vernetzung und Innovation für die Wissensstadt Heilbronn

Das Projekt »Bildung vernetzt (BiNe) 2.0« bringt seit Juli 2026 Mitarbeitende von rund 20 Bildungseinrichtungen in Heilbronn zusammen. In mehrwöchigen Lernreisen verfolgen sie persönliche Entwicklungsziele und bauen institutionsübergreifende Netzwerke auf. Das Fraunhofer IAO gestaltet das kostenlose Angebot gemeinsam mit der Hochschule Heilbronn und der DHBW CAS als Teil des COSMOS HN.
mehr Info

13.10.2026

Wirtschaften im Kreislauf

Rohstoffknappheit, steigende regulatorische Anforderungen und komplexe Lieferketten erhöhen den Druck auf Unternehmen Materialien und Produkte länger im Wirtschaftskreislauf zu halten. Das Fraunhofer IAO, das Fraunhofer IBP, das IAT der Universität Stuttgart sowie Partner aus Industrie und Forschung entwickeln mit »SOLVE« Methoden und digitale Werkzeuge, mit denen Unternehmen künftig kreislauffähige Wertschöpfungsnetzwerke systematisch planen, bewerten und steuern können.
mehr Info

Schwerpunkte

Identity Management

Vertrauenswürdige Identitäten sind wesentliche Grundlage für viele digitale Prozesse. Wir unterstützen Sie bei wirtschaftlichen, technischen und organisatorischen Fragestellungen des organisationsinternen und organisationsübergreifenden Identiätsmanagements und der Informationssicherheit.

Vehicle Experience

Die wichtigsten Innovationen im Automobil wirken sich heute direkt auf das Fahrerlebnis und die Mensch-Maschine Interaktion aus. Für diese Innovationen bieten wir Demonstrations- und Testumgebungen und führen Probandenstudien nach wissenschaftlichen Standards mit innovativen Methoden durch.

Interaction Design

Die Interaktion mit Technik soll intuitiv sein und Spaß machen. Dabei geht es um die Wahl der richtigen Technologien und um die Gestaltung von allem was der Nutzer sieht, hört und fühlt. Attraktive und ergonomische User Interfaces sind uns wichtig. Die visuelle Gestaltung kommuniziert wichtige Eigenschaften und Zusammenhänge.

Human-Centered AI

Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinelles Lernen können unser Leben und Arbeiten bereichern. Wir gestalten KI-Systeme, die vertrauenswürdig und nachvollziehbar sind und mit denen Menschen gerne interagieren und effizient zusammenarbeiten.

User Experience

Mit WOW-Faktor zum Produkterfolg! Heben Sie sich von der Konkurrenz ab, mit Produkten und Services, die Ihre Nutzer:innen nachhaltig begeistern. Mit ihrer Erfahrung und unserem Know-How können wir gemeinsam attraktive Produkte und Services gestalten, die optimal bedienbar, emotional ansprechend und wirtschaftlich erfolgreich sind.

Neuroadaptive Systeme

Wir blicken in eine Zukunft, in der intelligente Systeme dabei helfen, unsere Arbeit und unser tägliches Leben einfacher zu machen. Unsere Arbeit beruht auf einem umfassenden Verständnis dafür, wie Menschen mit der realen Welt interagieren. Wir schauen uns an, was sie sehen, hören und fühlen.